Alte Technik neu entdeckt: Frottage

Gestaltungstechnik Frottage Laub Wachskreide

DIY-Tipp (nicht nur) für die Herbstzeit

Kennst du „Frottage“? Bestimmt – nur vielleicht nicht unter diesem Namen!
Ich selbst habe diese Gestaltungstechnik schon angewandt, als ich im Kindergarten war (also als Kind, nicht als Erzieherin. Okay, da natürlich auch.) In Kindertagen haben wir uns damit zum Beispiel unser Spielgeld selbst gemacht.

Forttage Gestaltungstechnik Münzen

Und natürlich war besonders im Herbst das Nutzen von gepresstem Laub quasi obligatorisch. Und warum auch nicht? Die Frottage ist immer wieder ein bisschen wie Zaubern…
Aber was ist es denn nun eigentlich?
Als Frottage wird das „Abrubbeln“ einer Oberfläche mit einem Stift auf Papier bezeichnet, ein „Abreiben“ der unter dem Papier liegenden Oberfläche. Diese wird also etwas verfremdet auf dem Papier sichtbar gemacht. Das eröffnet übrigens ganz neue Sichtweisen!
So, und weil es um Oberflächen allgemein geht, muss niemand sich auf Münzen oder Blätter beschränken! Frottage funktioniert (mal besser, mal weniger erfolgreich) mit allem: mit Stoff, Holz, Wänden, Böden, Autoreifen, Reliefs, …
Wichtig ist der richtige Stift. Am besten geht es mit Blei- oder Buntstift oder Wachskreide. Das Ergebnis ist dann allerdings auch wieder von der gewählten Oberfläche abhängig. Im Beispiel „Spielgeld“ finde ich Buntstifte viel geeigneter als Wachsmaler; hier kommen die feinen Einzelheiten deutlicher heraus. Bei dem Blätterzweig gefällt mir die Abbildung durch Wachskreiden besser. Farbübergänge lassen sich mit dem Finger etwas verwischen.

Gestaltungstechnik Frottage Laub
Für jede Art von Frottage reicht übrigens ganz „normales“ Kopierpapier (um 80g/qm) völlig aus, zumal beim anfänglichen Ausprobieren. Das kann zwar bei sehr groben Oberflächen einreißen, ist aber nicht zu dick, um auch feine Strukturen abbilden zu können. Auch bestens geeignet und außerdem in vielen verschiedenen Farben erhältlich ist Tonzeichenpapier (130g/m). Damit lassen sich dann schon gezielt kleine Kunstwerke mit den Frottagen gestalten.

Wer mag, verwendet als Unterlageobjekt zum Abreiben auch ganz bewusst Formen aus Karton, zurechtgeschnitten oder ausgestanzt – oder unregelmäßig abgerissen. Kombiniert mit Leinenstrukturkarton und etwas MaskingTape können so schnelle Grußkarten entstehen (s. Foto). Oder wandschmückende Collagen mit anderen Elementen (Papierschnipsel, Naturmaterial, Zeichnungen…) und z.B. Acrylfarbe. Und wer schon am Urlaubsort Oberflächen sammelt, bereichert sein Reisetagebuch (Journal, Scrapbook,…) auf einzigartige Weise.
Gestaltungstechnik Frottage Grußkarte danke
Wichtig ist übrigens, dass das Blatt auf der Oberfläche nicht verrutscht, solange die Frottage nicht abgeschlossen ist. Allerdings kann man genau das auch wieder als Gestaltungselement nutzen, wenn beispielsweise mehrere Farben dieselbe Fläche abbilden sollen.
Gestaltungstechnik Frottage Grußkarte Luftballons Geburtstag
Übrigens führen wir mit unseren Werken der Frottage eine uralte chinesische Kunstrichtung weiter! Im 20. Jahrhundert hat dann Max Ernst diese Kunst wiederentdeckt und in seiner Arbeit genutzt. Aber das nur am Rande und damit der Sache das nötige Gewicht verliehen wird… Nee, habt einfach Spaß beim Ausprobieren! Frottage ist wirklich spannend und vielseitig. Und für alle Altersgruppen geeignet.

Extratipp für Familien oder Gruppen: Jeder bewaffnet sich mit Papier und Stift. Dann ziehen alle los, um in einer vereinbarten Zeit Oberflächen abzureiben (macht eine Anzahl aus, 4 oder 5 reichen). Anschließend gibt jeder sein Blatt an einen anderen Mitspieler. Nun geht das große Rätseln los: Was ist das wohl da auf dem Blatt? Und wo wurde die Frottage gemacht? Das kann regelrecht zu einer Schatzsuche werden…

Und nun: los-rubbeln! Viel Spaß!

Für die gezeigten Karten habe ich (neben Buntstiften und Wachsmalern) folgende Materialien verwendet:
Leinenstrukturkarton in Chili (-21) und Petrol (-31)
Leinenstrukturkarton in Sapphire (-50)
Tonzeichenpapier in Weiß
MaskingTape „Danke bzw. Happy birthday-Girlande“
Fineliner Pigma Micron