Improvisiertes Buchbinden

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Improvisiertes Buchbinden

Endlich Urlaub, die Koffer sind gepackt – und natürlich auch eine Grundausstattung an Bastelmaterial. Das gebräuchlichste Werkzeug ist immer dabei, denn gerade in den Ferien ist doch endlich mal Zeit zum Kreativsein ohne Produktivitäts-Druck.

Für den diesjährigen Sommerurlaub hatte ich mir die Aquarellfarben eingepackt. Mal wieder Malen, einfach ein bisschen Ausprobieren, das tun, was sonst keine Zeit findet… So weit, so gut. Nach den ersten richtig faulen Tagen dann die Realität: Keine Lust auf Malerei. Aber Buchbinden wäre jetzt toll! Endlich mal wieder Techniken auffrischen, die ich länger nicht genutzt habe: die Koptische Bindung, der Secret Belgian. Und beim Stöbern im weltweiten Netz Neues entdecken… Inspiration ist vorhanden, das Kribbeln in den Fingern auch.

Aber das Material? Schere, Cutter, Schneidematte, Lineal und Bastelkleber gehören zur erwähnten Grundausstattung. Buchbindeleim schon mal nicht. Leinen oder eine Ahle auch nicht. Immerhin habe ich noch eine dicke Nadel eingepackt, wenn auch nur eine gerade. Der Papiervorrat ist sehr begrenzt.

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Jetzt heißt es improvisieren!

Im Ferienhaus sammelt sich dann ja doch nach und nach so einiges an. Touristenführer und Werbehefte sind wahre Fundgruben für Bezugspapiere. Viele tolle Fotos – meist aber recht kleinformatig. Dann gib es eben kleine Büchlein! Da reicht dann auch die Pappe des leeren Getränkekartons für die Buchdeckel. Im gut ausgestatteten Ferienhaushalt finde ich dann sogar Baumwoll(strick)garn in passenden Farben und erlaube mir, ein paar Zentimeter davon zu nutzen. Eine naturweiße Kordel habe ich außerdem dabei. Für den Anfang nicht schlecht! Für die ersten beiden Notizbüchlein in Koptischer Bindung reicht auch das mitgebrachte Kopierpapier noch. Nachschub erstehe ich dann beim örtlichen Kaufmann. Das „gönne“ ich mir.

Fundstücke einbinden

Zwischendurch verbringe ich meine Zeit am Nordseestrand, suche Muscheln und Steine mit Loch (für Wickelverschlüsse) und sammle Seeglas. Dabei keimt eine weitere Idee auf… Ich möchte einige meiner Fundstücke in Buchdeckel einarbeiten! Das muss doch irgendwie gehen?!

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Die silberne Beschichtung der Getränkekartons finde ich ebenfalls spannend. Sie fasst sich ganz glatt und doch irgendwie weich an – und sie lässt sich auch prägen. Doppelt gelegt ergeben sich aus dem Karton feste Buchdeckel, die nicht mehr mit Papier bezogen werden müssen. Und die Strandfunde finden mit etwas textiler Nachhilfe auch Halt. Meine mitgebrachte Baumwollkordel entpuppt sich als Profi für improvisiertes Buchbinden: Sie lässt sich in feine Fäden aufdröseln und für die Verschlüsse ganz flott in dickere Stränge zwirnen. Die Bindung erfolgt in der originalen Stärke. Drei in Einem, praktisch!

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Neue Bindetechnik

Beim Stöbern im Internet stoße ich auf eine Rückenstichheftung, die ich so noch nicht ausprobiert hatte. Sieht gut aus – muss ich probieren! Aber dazu bräuchte ich eigentlich Buchleinen… Wir nett, dass der Ferienhausanbieter neben Willkommensschild und Desinfektionsmittel auch ein „Magic Towel“ auf den Tisch gelegt hat! Entfaltet hat es sich mit ein paar Wassertropfen schnell, der Wind trocknet´s, am nächsten Tag geht es damit weiter. Es ist nicht ideal, schon gar nicht mit dem Bastelkleber. Aber ich will ja auch erstmal nur testen, und dafür reicht es aus. Die Buchdeckel habe ich sogar selbst gemalt. Damit die Aquarellfarben nicht ganz umsonst gereist sind. Die Bindung wird jedenfalls in mein Repertoire aufgenommen!

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Erbsen – ungezählt

Ein paar Magazinseiten (Urlaubslektüre meines Gatten) mussten dann für die letzten Büchlein noch herhalten. Die Erbsen hatten es mir gleich angetan: viel zu schade zum Wegwerfen! Ein Bogen Cardstock in passendem Grün fand sich in meinem Fundus, welch Glück. Damit auch das mitgebrachte Aquarellpapier zu Ehren kommt, entsteht ein Block in Japanischer Bindung. Etwas aufwändiger ist die Bindung des Secret Belgian, aber ich mag sie unheimlich gerne und musste sie einfach auch mal wieder machen.

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Mein Fazit: Gut, dass ich die Zeit so genutzt habe. Mir die verschiedenen Bindungen in Erinnerung zu rufen bzw. neu zu entdecken beflügelt mich hoffentlich, daran auch nach dem Urlaub festzuhalten. Dann mit „richtigen“ Materialien und Werkzeugen aus der heimischen Werkstatt.

Und mein Tipp für dich: Lass die Kreativität nicht zuhause, auch im Urlaub gibt es eine Menge Möglichkeiten! Nutze die Zeit ganz nach Lust und Laune zum Ausprobieren. Wirf nicht so schnell weg, was vielleicht noch genutzt werden kann: Getränkekartons, Müslischachteln, Brötchentüten usw. sind nicht nur für improvisierte Buchbinderei geeignet. Leere Klorollen ja sowieso…

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Im SchenkWerke-Shop findest du einige Notizbucher mit den angesprochenen Bindungen in der Kategorie Buchbinderei. Und wenn du selbst lernen möchtest, wie das mit dem Buchbinden so geht, solltest du mal bei den Kursen reinschauen. Oder mich direkt kontaktieren.